Digitalotopia – Kapitel 2 – Die Einleitung

Digitalotopia“ ist ein Ort in der Zukunft, der so gut sein kann und wird, wie wir ihn gestalten. Doch wo ist Digitalotopia und wie können wir dorthin gelangen?

Die Welt befindet sich aktuell mitten in einem Wandel. Wandel an sich ist zwar stetig, doch aktuell findet er massiv beschleunigt statt, die Welt scheint an einem Wendepunkt und an einem historisch bedeutenden Meilenstein zu stehen. Große potenzielle Veränderungen und Herausforderungen stehen vor der Tür. Es sind nicht nur die bekannten Herausforderungen wie Umwelt- und Klimaschutz, Aufrechterhaltung von Frieden oder die gerechte Verteilung von Wohlstand. Sondern es sind eine Vielzahl von kleinen und großen Herausforderungen durch globale soziale, politische, ökologische und ökonomische Veränderungsprozesse. Der Wirtschaftswissenschaftler Fredmund Malik sagt, es wird sich alles verändern[1]: Was wir tun, wie wir es tun und warum wir es tun; wie wir produzieren und konsumieren, wie wir arbeiten, wie wir lernen und forschen – und wie wir leben.


Anmerkung der Redaktion:

Dieser Text gehört zum Buchmanuskript “Digitalotopia – Sind wir bereit für die (R)Evolution der Wirklichkeit?”

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Ein Haupttreiber der Veränderung ist die Digitalisierung bzw. sind digitale Technologien und die damit verbundenen Fortschritte in Bereichen wie Vernetzung, Big Data, künstliche Intelligenz oder Robotik. Die Auswirkungen werden fast alle Bereiche unseres Lebens sowie unserer Gesellschaft beeinflussen und sie treiben nicht nur eine vierte industrielle Revolution, sondern insbesondere auch einen gesellschaftlichen Wandel an. Sie führen zu einer Veränderung von Kommunikation, Ökonomie, Ökologie, Politik, Gesellschaft und unseres Selbstbildes als Menschen. Die Technologien künstliche Intelligenz und Blockchain zusammen mit dem bereits bestehenden Internet werden von der Bedeutung für das 21. Jahrhundert her vergleichbar sein mit der Nutzbarmachung des elektrischen Stroms oder der Erfindung der Dampfmaschine. Sie werden die infrastrukturelle Basis einer neuen kommenden Zivilisation bilden. Ohne sie wird zukünftig nichts mehr funktionieren und durch sie wird nichts mehr so sein, wie wir es bisher kennen. Würde diese Infrastruktur jedoch einmal in Zukunft ausfallen, so wäre es genauso schlimm, als wenn heute auf der ganzen Welt der elektrische Strom ausfallen würde. Doch genau diese neuen Technologien, von denen wir uns aktuell zunehmend abhängig machen, bieten Chancen die Wirtschaft, die Politik, das Finanz- sowie Geldsystem, unser Leben und unsere Gesellschaft insgesamt humanistischer zu gestalten.

Nach Schätzungen von Experten könnten durch die Automatisierung in den nächsten zwei Jahrzehnten bis zu 50 % der Menschen ihre bisherige Arbeit an „Automaten“ verlieren. Diese Automaten in Form Intelligenter Digitaler Assistenzsysteme oder Roboter werden uns jedoch auch viele lästige, unangenehme, komplexe, schwierige sowie gefährliche Aufgaben abnehmen und bei vielen weiteren Aufgaben unterstützen können. Dadurch gewonnene Freiheit könnte zu einer Befreiung des Menschen vom Zwang der Lohnarbeit führen und als Chance genutzt werden, um bisher nicht genutzte Potenziale zu entfalten und sie für die Gestaltung der Gesellschaft und Welt einzusetzen.

Kommunikation findet bereits heute über ein weltweites Netzwerk statt und wird durch digitale Übersetzungs-Bots von Sprachbarrieren zunehmend befreit werden. Die Welt wird auch dadurch zunehmend globaler. Doch bisher fehlte das echte globale Zusammenwachsen. Der aktuelle Wandel ist als würde das Betriebssystem unserer Gesellschaft ausgetauscht werden. Die Bedienung des neuen digitalen Betriebssystems müssen wir jedoch erst neu erlernen, um es vernünftig nutzen zu können. Dazu soll nicht nur beispielsweise die Einführung der Europäische-Datenschutzgrundverordnung einen Beitrag leisten, die mit guter Absicht und dennoch wirren Folgen am 25.05.2018 endgültig in Kraft getreten ist. Für das neue Betriebssystem benötigen die Menschen auch ein neues „Mindset“ und ein neues Wertesystem. Eine Bildung 4.0 ist dafür ein wesentlicher Schlüssel. Bildung muss jedoch zukünftig mehr als Lernen von Fertigkeiten, Sachkompetenz oder Wissen beinhalten. Programmierunterricht und Digitalkunde werden auch nicht ausreichen, um den Wandel sinnvoll zu gestalten. Ein neuer Schwerpunkt im Bildungssystems des 21. Jahrhunderts, gleichsam einer neuen Kulturtechnik, sollte auch eine Bewusstseinskunde sein. Denn Bewusstsein ist das was uns maßgeblich von künstlichen kognitiv superintelligenten Maschinen und Robotern der Zukunft unterscheiden wird. Ein starkes Bewusstsein ist auch das, was Menschen den souveränen Umgang mit all den Informations- und Interaktionsmomenten in einer digitalisierten Welt ermöglichen wird. Außerdem scheinen nach Ansicht anerkannter Wissenschaftler der Verstand und das Bewusstsein eine weitere wesentliche Bedeutung zu haben. Nach einem neuen naturwissenschaftlichen Welt- und Menschenbild, genannt Neo‑Geozentrismus, könnte das Bewusstsein potenziell im Mittelpunkt dessen stehen, was wir als Realität bezeichnen. Bewusstsein könnte also eine wesentlichere Bedeutung neben einer bloßen kognitiven Intelligenz von zukünftig superintelligenten Maschinen haben. Bewusstsein hat das Potenzial zu Mehr und macht Menschsein auch in Zukunft bedeutsam!

Satya Nadella sagte[2]: „We are not pursuing A.I. to beat humans at games […] We are pursuing A.I. to empower every person and every institution that people build with the tools of A.I., so that they can go on to solve the most pressing problems of our society and our economy. That’s the pursuit.”

Zukünftige Künstliche kognitive digitale Superintelligenz ist nach Ansicht vieler Experten möglicherweise die größte Gefahr für die Menschheit und gefährlicher als die Atombombe. Wir können künstliche Intelligenz, Roboter, Daten, Algorithmen, das Internet oder auch Blockchain aber auch als größte Chancen sehen, die die Menschheit je hatte. Wir können diese Digital Technologien nutzen, indem sie uns befreien, damit wir uns um unsere wichtigsten Aufgaben kümmern können. Denn wir müssen uns die Frage stellen, wie wir zukünftig leben wollen, um die drängendsten Probleme unsere Gesellschaft zu lösen. Wir alle können und müssen zu aktiven Gestaltern der Zukunft, unserer Gesellschaft und der Welt werden. Und diese Welt beginnt bei unserem unmittelbaren Umfeld. Laut Digital Manifest[3], in dem bei „Spektrum der Wissenschaft“ neun europäische Experten zu Wort kommen, stehen wir an einem gesellschaftlichen Scheideweg zwischen einer humanistischen Demokratie 2.0 und einem von Maschinen, Daten und Algorithmen dominierten Datentotalitarismus bzw. Feudalismus 2.0. Fundamentale gesellschaftliche Errungenschaften moderner Demokratien sind demnach in Gefahr. Die Weichen müssen wir jetzt stellen, um Risiken zu vermeiden sowie die potenziellen Chancen nicht zu verschlafen, sondern sie zu ergreifen.

Wir Menschen müssen auch zwingend nachhaltig denken und handeln. Denn nach allem was wir wissen, bleiben der Menschheit nur noch begrenzt Zeit, um auch für Umwelt und Klima die Weichen richtig zu stellen. Wir müssen auf das richtige Gleis setzen, die richtigen Entscheidungen treffen und entsprechende Maßnahmen einleiten. Die durch die Digitalisierung entstandene Veränderungsdynamiken, müssen genutzt werden, um die Ökoeffektivität unseres Handelns nachhaltig zu steigern. Es geht darum, dass unsere Umwelt und unsere Welt – der blaue Planet Erde – für uns auch in Zunft einen weiterhin lebensfähigen Raum bieten. Und es geht auch insbesondere darum, dass wir zukünftig in einer globalen, für alle Menschen lebenswerten Gesellschaft in Frieden, Sicherheit, Freiheit, Vielfalt und Wohlstand zusammenleben können.

Das Buch „Digitalotopia“ soll dazu Denkanstöße liefern, Konzepte sowie Strategien skizzieren und einen Beitrag zu einer für das Digitalzeitalter vielleicht notwendigen Aufklärung 2.0 leisten. Denn richtig verstanden und richtig eingesetzt, können digitale Technologien uns in hohem Maße dienen, ja unsere Erfahrung der Wirklichkeit auf eine neue Stufe heben. Eine notwendige Voraussetzung dafür ist jedoch die soziale, politische, ökologische sowie ökonomische Dimension der anstehenden Veränderungen zu verstehen und dafür gemeinsam Verantwortung zu übernehmen. Daher werden Fragen aufgegriffen wie: Was genau verbirgt sich hinter dem allgegenwärtigen Schlagwort „Digitalisierung“? Und wie treibt die Digitalisierung mit Big Data, künstlicher Intelligenz, Robotik, dem „Internet der Dinge“ oder Kryptowährungen den gesellschaftlichen Wandel an? Welche Rolle spielt Komplexität und wie kann sie in einer immer komplexer werdenden Welt beherrscht werden? Auch geht es um grundlegende gesellschaftliche Zukunftsthemen sowie Fragen zur Ethik des digitalen Zeitalters. Auf der Grundlage neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse und Theorien ergeben sich auch Erklärungsmodelle, die darlegen, was den Menschen von den kognitiv superintelligenten Maschinen der Zukunft unterscheidet, was also Menschsein überhaupt bedeutungsvoll macht.

Der Philosoph Johann Gottfried Herder (1744 – 1803) schrieb[4]: “Der Mensch ist der erste Freigelassene der Schöpfung; er stehet aufrecht. Die Waage des Guten und Bösen, des Falschen und Wahren hängt in ihm: er kann forschen, er soll wählen”.

Wir Menschen haben es jetzt also in der Hand, die neuen technischen Möglichkeiten, die Digital Technologien, dafür einzusetzen, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Die Herausforderungen müssen dabei auf globaler Ebene gelöst und in lokales Handeln umgesetzt werden. Es liegt jetzt an uns allen die Zukunft bewusst mitzugestalten und die Weichen für ein Digitalotopia richtig zu stellen. Wir dürfen es nicht verschlafen.

Abraham Lincoln wird gerne mit den Worten zitiert: „The best way to predict the future is to create it.”. Fangen wir damit also an.

Sind wir bereit für die (R)Evolution der Wirklichkeit?

Let’s roo the world to make it a better place!

[1] https://www.malik-management.com/de/malikbooks/navigieren-in-zeiten-des-umbruchs/ (03.08.2018)

[2] Mark Hachman – Microsoft’s FPGA-powered supercomputers can translate Wikipedia faster than you can blink: The world doesn’t have to long to wait for Microsoft’s “A.I. supercomputers”; they’re already here. – PCWelt (26.6.2016) – https://www.pcworld.com/article/3124486/hardware/microsofts-fpga-powered-supercomputer-can-translate-wikipedia-faster-than-you-can-blink.html (abgerufen: 20.01.2018)

[3] Digitale Demokratie statt Datendiktatur – Digital Manifest auf Spektrum.de (Spektrum der Wissenschaft) – https://www.spektrum.de/news/wie-algorithmen-und-big-data-unsere-zukunft-bestimmen/1375933 (abgerufen: 21.05.2018)

[4] https://www.aphorismen.de/zitat/198943

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